Tinte der Vergangenheit

Ich habe heute ein paar Stunden damit verbracht, alte Füllfederhalter meiner Großmutter zu reinigen. Die Art Füller, die man mit der Spitze in ein Tintenfaß stecken muss. Ist der Füller tief genug in der Tinte, dreht man an der Kappe und saugt so die Tinte ein. Meine Oma war ein wenig enttäuscht davon, dass sie nicht mehr so gut schrieben, wie früher. Also gut, eine Reinigung schadet ja nie…

Eine der Federn sieht nun aus wie neu und auch ein alter Füller meines Opas ist wiederhergestellt. Das Interessanteste war aber nicht, wie die Füller nun aussehen oder schreiben, sondern die Geschichte, die sich dahinter verbirgt:

Früher kaufte man sich teure Füller, andere gab es nicht. Man gab mehrere Wochenlöhne dafür aus – keine leichte Sache! Man verwendete Eisengallustinte in Fässchen, die wesentlich breiter waren, als die heutigen. Dementsprechend lange verwendete man sie unter Umständen. Füller und Tinte waren viel bedeutungsvoller als heutzutage. Der Füller meines Großvaters ist ein Stück älter als ich – und sieht aus, als habe man ihn heute erst gekauft. Wenn ich da an meine Füller denke…. (aber die waren ja auch nicht teuer. Eine typische Erscheinung unserer Zeit…)

Ich habe festgestellt, dass ich gar keine richtige „Füllerschrift“ habe. Ich schreibe fast ausschließlich mit Kugelschreibern und Bleistiften, manchmal auch Tintenrollern. (Obwohl man ja heutzutage auch viel weniger auf konventionelle Weise notiert. Apps und Pcs erledigen den Rest…) Aber Füller?

Mir fällt zum ersten Mal auf, wie schade das eigentlich ist. Natürlich entwickelt sich alles weiter – aber ist das ein Grund, Füllern so wenig Wert beizumessen? Sie waren lange Zeit sehr wichtig….

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Ungeduld

Schon seit ein paar Monaten habe ich mir fest vorgenommen dieses Jahr zur Frankfurter Buchmesse zu gehen. Ich war noch nie auf einer Buchmesse. Ich möchte nicht nur am Wochenende hin, sondern auch zu den Fachbesuchertagen – so habe ich viel mehr Zeit und (hoffentlich) weniger Rennerei. Als Student ist das ja einfach.

Klar, mich interessiert auch das, was am Wochenende stattfindet, keine Frage. Auch da möchte ich mich umsehen und hoffe darauf, da Interessantes zu sehen.

Das Problem an der Sache ist nur, dass es kein Programm gibt. Dabei kann man schon Tickets buchen… Im August soll man mehr erfahren. Bisher kann man sich eine Liste der Aussteller ansehen – aber was bringt mir das? Ich werde so oder so versuchen alles einmal zu sehen. Was mich aber wirklich interessiert wären Vorträge o.ä. und zu ebendiesen fehlen mir die Informationen… Ich finde das ganze Konzept einer Buchmesse interessant, keine Frage, aber Planen fällt so nicht leicht.

Dabei muss man doch rechtzeitig ein Hotelzimmer buchen! Nun gut, ich mache es ganz geschickt und werde nicht in Frankfurt selbst schlafen. Dann muss ich zwar jeden Tag 45 Minuten Fahrtweg in Kauf nehmen – aber das ist noch immer besser als die über 2 Stunden, die ich sonst fahren würde.

Nun heißt es Geduld zeigen, abwarten. Bis August sind es keine zwei Monate mehr. Wenn dann alles klar ist, kann man wirklich planen. Eigentlich wäre es mir ja lieber, wenn nun schon alles feststünde…

Aber wie sagt man so schön? Immer mit der Ruhe und dann mit’m Ruck!

 

Charakter-Marotten

Ich ärgere mich heute ein wenig über mich selbst, es will einfach nichts klappen. Alles, was ich schreibe, gehört in den Papierkorb – bestenfalls. Meine Gedanken schweifen hin und her, ich komme nicht so auf den Punkt, wie ich es gern hätte.

Stattdessen habe ich wieder allerlei Ideen, viele von ihnen sind seltsam. Und doch habe ich das Gefühl, dass ich sie einmal gebrauchen könnte. Sie sind wie Bausteine, aus denen man etwas Neues machen kann. Wie Puzzleteile, nur, dass sie an mehrere Stellen passen.

Träumend auf der Wiese liegen und die Wolken beobachten.

In Panik ausbrechen, weil man zum Blutabnehmen muss oder eine unangenehme Untersuchung ansteht.

Einen Schmetterling sehen und ihm hinterherjagen, wie ein kleines Kind. Vielleicht dabei sogar die Unbeschwertheit vermissen, die man früher hatte – und nicht daran denken, dass es fiese Zecken gibt, die im Gras lauern.

Wie ein (zugegebenermaßen sehr klischeehafter) Wolf im Mondenschein sitzen und die runde Scheibe oben am Himmelszelt anstarren. Vielleicht darüber nachdenken, tatsächlich zu heulen, wie ein Wolf oder dem Mond etwas zuzurufen.

Unter einem Baum sitzen und ein Eis essen. Vielleicht blitzschnell aufspringen, weil eine Wespe naht.

Sich fürchterlich über einen Autofahrer aufregen.

Stolpern und sich die Knie aufschlagen. Lachen, weil man sich sicher ist, dass es absolut lächerlich aussah. Oder weinen, weil es wehtut.

Gedankenverloren durch den Wald laufen und ein Liedchen pfeifen.

Alles sehr alltägliche Dinge. Alles nichts Neues. Aber, wenn man sie als Bausteine sieht und sie immer neu, immer anders zusammenfügt und mit gänzlich anderen Tätigkeiten oder Marotten vereint, dann kann wirklich etwas Besonderes entstehen. So entstehen Menschen, Tiere – und auch Charaktere. Wer mag schon Bücher über Menschen lesen, die sich verhalten, wie Maschinen?

Frisch gepflückt schmeckt doch am besten

Das habe ich heute wieder einmal festgestellt, als ich Beeren direkt vom Strauch aß. In den Geschäften tummeln sich die herrlichsten Früchte, hübsch präsentiert und häufig makellos. Doch auch, wenn sie nur halb so schön aussehen, Macken haben oder eine ungleiche Form…. die aus Omas Garten schmecken einfach besser.

Interessanterweise las ich gestern in einem Buch, in dem die Protagonistin ihren Garten über alles liebt und auch so denkt. Ob mich das für den Eindruck zusätzlich sensibilisiert hat? Mir ist es schon häufiger aufgefallen, doch heute sticht es hervor.

Beeinflusst das Lesen unser Denken so sehr, dass wir die Welt anders wahrnehmen? Erst will man diesen Gedanken abstreiten, doch wenn man genauer darüber nachdenkt, dann trifft es zu.

Wer hat nicht schon einmal etwas romantisches gelesen und dabei darum getrauert, nicht selbst in das Buch kriechen zu können?

Wer stand nicht einmal am Meer, in den Bergen – oder wo auch immer – und dachte an eine Geschichte, die dort spielt?

Wir lassen Bücher häufig sehr nah an uns heran, sie berühren uns. Warum sollten wir sie also vergessen, wenn wir sie nicht in der Hand halten?!

Von Büchern erschlagen…

… fühle ich mich manches Mal. Ich habe einfach zu viele davon. In allen Ecken, an allen Enden, stehen oder liegen sie. Ab und zu ordentlich in ein Regal sortiert, doch meist in Kisten und Schränken oder auf Stapeln. Mehr Regale bräuchte man… Oder man sollte mehr aussortieren.

Bücher aussortieren? Das fällt meist doch schwer. Vor allem will man sie ja nicht wegwerfen. Lieber verschenken. Schöner Vorsatz – nur die Umsetzung sollte folgen. Die fällt noch schwer, zumal die meisten selbst zu viele ungelesene Bücher haben…

Was tue ich stattdessen? Ich kaufe neue Bücher. Eines letzte Woche, zwei gestern. Ich habe noch keines davon angefangen. Das kommt noch, ganz sicher – es fragt sich nur wann…

Nebelschwaden

Im Nebel lauern Geschichten. Er verbirgt vieles vor uns, doch durch ihn kann man auch Ideen schöpfen. Welche gruselige Geschichte erhält nicht einen kleinen Anreiz, wenn sich ein paar Nebelschwaden zeigen? Nebel hat etwas Mysteriöses, er hütet ein Geheimnis.

Heute konnte ich eine halb verfallene Burg auf einem Berg bewundern, hinter Nebel ganz verblasst. Das Grün der Bäume wich einem trüben Gemisch von Grautönen und die Umrisse verschwammen.

Kennt man den Ausblick, so kann man erahnen, was dahintersteckt, wenn man in den Nebel blickt. Vor dem inneren Auge spielt sich ein Film ab, vielleicht sieht man auch nur ein Bild. Und vielleicht steckt genau darin das Geheimnis des Nebels. Er verschleiert etwas, das wir kennen, verändert es und am Ende sehen wir etwas Ungewohntes.

Wie passend, dass gerade heute eine eher düstere Geschichte Gestalt annehmen will; wie schön, dass mir das Wetter so entgegen kommt. Der Nebel wabert nun durch meine Phantasie, meine Muse freut sich und ich schreibe…

 

Wundersame Wege

Manchmal sind es wundersame Wege, die wir gehen. Etwas, das völlig unbedeutend zu sein scheint, stellt sich als große Hilfe heraus. Wir werden überrascht von Dingen, mit denen wir eigentlich wenig anfangen können. Manchmal wissen wir nicht, warum wir etwas tun – bis etwas passiert.

Ich habe heute Nacht die Dokumentation „Hessen von oben“ gesehen. Einfach, weil ich wach war und mich der Hessische Rundfunk anlachte (und vielleicht auch ein kleines bisschen, weil ich Hessen manchmal vermisse). Die Kamera folgte dem Main, dem Rhein, der Lahn und der Sprecher erzählte etwas über die Flüsse, die Gegenden und die Städte Hessens.

Es war nicht einfach nur das Betrachten der Landschaften, das mich berührte… Immer wieder tauchten Bilder vor meinem inneren Auge auf und Ideen formten sich. Die Atmosphäre und geschichtliche Ereignisse taten ihr Übriges. Ich fühlte mich, als sammelte sich eine Welle der Inspiration, um mich zu überfluten, und auf ihr surfte eine Muse.

Schon seit Wochen habe ich eine lose Idee. Eine, die ziellos in meinem Ideenmeer herumtrieb und nicht wusste, wohin sie gehört. Nun weiß sie es. Ich weiß es. Alles nur dank einer Dokumentation, die ich zufällig mitten in der Nacht erhaschte. Zufall? Wer weiß das schon. Das Leben geht wundersame Wege.