Geschichte(n) eines Schreiberlings – Teil 1

Zofia starrte auf die Buchstaben. Fein säuberlich waren sie sortiert, nebeneinander und in mehreren Reihen. Das ganze Ding vor ihr sah seltsam aus und sie fragte sich, ob dies wirklich ein Fortschritt sein sollte. Nicht einmal die Anordnung ergab einen Sinn, wer auch immer sich das ausgedacht hatte, sollte wohl dringend ein paar Tassen suchen.

Dennoch saß sie nun davor. „Schreibmaschine“ nannte man den Apparat. Für Zofia war er überflüssig, liebte sie doch Papier und Tinte. Sie mochte es, wie die Worte zusammenflossen, sogar die gelegentlichen Kleckse waren für sie nicht tragisch. Es gab dem Text Charakter, so einfach war das. Diese Schreibmaschine würde sie dieser Möglichkeit berauben.

Vorsichtig legte Zofia einen Finger auf eine Taste und drückte sie. Es ging schwerer, als sie erwartet hatte. Dann suchte sie die nächste Taste und noch eine und noch eine, bis sie ihren ersten Satz getippt hatte. „Es sieht seltsam aus“, befand die alte Frau und seufzte. Musste Fortschritt wirklich sein?!

Ich vermute, dass die Anfänge der Schreibmaschinen durchaus solche Reaktionen hervorrufen konnten. Schließlich gibt es heute noch Menschen, die so oder ähnlich auf Computer reagieren – und das, obwohl sie vielleicht mit Schreibmaschinen vertraut waren. Für uns mag es heute manches Mal seltsam erscheinen, dass jemand bei „rückschrittlichen“ Methoden bleiben möchte – aber wer sagt denn, dass neu wirklich besser ist?

Ich habe mir einige Gedanken darüber gemacht, wie es früher gewesen sein mag zu schreiben und ich will mich näher damit befassen. Ich möchte Phantasie und geschichtliche Hintergrundinformationen wirken lassen und mir daraus meine Denkweise entwickeln. Und dann dachte ich mir, dass ich das doch gleich mit euch teilen kann. Vielleicht interessiert es ja auch noch andere.

Wenn ich ein paar Jahre zurückdenke, war auch noch vieles anders, als es heute ist. Jetzt habe ich einen Laptop, der nicht so viel Strom verbraucht und sich bequem inner- und außerhalb der Wohnung rumschleppen lässt. Ich kann also, wenn ich denn möchte, nahezu überall schreiben. Mir einen Ort der Inspiration suchen, ich bin nicht an einen Ort gebunden.

Früher hingegen hatte ich einen Standpc und je weiter ich zurückdenke, desto langsamer und komplizierter war das. Heute speichert man Dinge mal eben online oder auf einer externen Festplatte. Früher brannte man sie auf CD, davor schrieb man sie auf eine Diskette. Auch das Schreiben selbst war bei schlechterer PC-Leistung komplizierter.

Es gab sogar eine Zeit, bevor ich einen Computer hatte. Da habe ich mir ab und zu eine Schreibmaschine geliehen. Allerdings schon ein „modernes“ Modell, bei dem man eine Zeile eingab, sie auf einem kleinen Display noch einmal überprüfen und bearbeiten konnte. Das war, im Nachhinein betrachtet, mit mehr Denken verbunden. Heute schreibe ich manchmal einfach runter, was mir in den Sinn kommt. „Kann ich ja später noch bearbeiten, Hauptsache ich hab‘ erstmal was.“ Okay, ich gebe zu, dass mir diese Einstellung manches Mal doch schwer fällt und ich direkt an mir rumkritisiere, aber was soll’s ich könnte so denken.

Die Schreibmaschine war sehr groß und vor allem sehr schwer. Hatte man einmal einen Fehler gemacht, ließ er sich nicht so leicht korrigieren. Das muss vor den Schreibmaschinen mit Display noch um einiges schwieriger gewesen sein. Ein weiterer Vorteil war: Ein Festplattencrash konnte nicht einfach alles vernichten, was man über Monate oder Jahre geschrieben hat. Wenn man allerdings so chaotisch ist wie ich, bleibt von den verfassten Blättern auch nicht viel. Hinterher ist man immer schlauer.

Nach einiger Zeit gewöhnte Zofia sich an die Schreibmaschine, auch wenn sie noch immer lieber mit Tinte schrieb. Doch sie wollte sich dem Fortschritt nicht völlig verwehren – und die Finger wurden auch seltener schmutzig. Irgendwann wurde das Klappern der Tasten und Buchstaben zu einer typischen Begleitmusik der Schreiberei, die ihr beinahe fehlte, wenn sie von Hand schrieb…

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