Was bin ich eigentlich? Und was seid ihr?!

Inspiriert durch einen Kommentar von http://nekosgeschichtenkoerbchen.wordpress.com/ zu meiner „Schreibraterei“.

Schreiberling? Autor? Schriftsteller? Ein jeder nennt sich, wie er will – doch darf er das? Wo sind die Unterschiede, die Gemeinsamkeiten? Synonym oder nicht?
Schauen wir doch mal, wieviel davon sich klären lässt…

Laut Duden ist ein Autor der Verfasser eines Textes (nicht immer literarischer Natur). Okay, das haben wir uns nun sicherlich alle gedacht.

Ein Schriftsteller hingegen ist zwangsläufig Verfasser literarischer Werke – und das meist beruflich.

Der Schreiberling wiederum ist ein Autor. Aber nicht jeder Autor ist ein Schreiberling. Denn Schreiberling wird häufig abwertend verwendet und impliziert, dass der Autor viel und meist auch schlecht schreibt.

Es gibt übrigens noch den umgangssprachlichen „Bruder“ des Schreiberlings: den Tintenkleckser!

Natürlich dürfen wir auch die Literaten nicht vergessen, deren literarische Werke als gehobener gelten.

Sind wir nun ein wenig schlauer? Ich bin mir da nicht so sicher. Das alles kann doch recht verwirrend sein. Aber eines ist klar: Ob Autor, Schriftsteller, Schreiberling, Tintenkleckser oder Literat – alle verfassen Texte. Alle können literarische Werke verfassen. Andere Texte sind dem Autoren vorbehalten, der darf sich z.B. auch Autor nennen, wenn er Zeitungsartikel verfasst. Ein Schriftsteller wiederum ist jemand, der Geld durch sein(e) Werk(e) verdient (hat). Der Schreiberling hat es noch ein wenig besser als der Tintenkleckser. Er muss nicht immer schlecht sein – der Tintenkleckser schon.

Vertiefen wir das Ganze doch noch ein wenig und befragen wir ein weiteres Mal mein Duden-Herkunftswörterbuch:

Der Autor ist der Verfasser eines Werkes der Literatur. (Musik, Kunst, etc. geht auch, aber das brauchen wir gerade nicht). Das Wort „Autor“ kommt vom lateinischen „auctor“ und das bedeutet Verfasser oder Schöpfer. Das wiederum kommt von „augere“, was mit „wachsen“ verwand ist und z.B. für „vermehren“ oder „verherrlichen“ stehen kann. Gebräuchlich ist der Autor in der deutschen Sprache seit dem fünfzehnten Jahrhundert, allerdings zunächst als „Auctor“.

Der Schriftsteller existiert erst seit dem 17. Jahrhundert – zumindest in sprachlicher Hinsicht. Es kommt (u.a.) von: „eine Schrift stellen“ und wurde zusammengesetzt. Es ersetzt das Fremdwort „Autor“, sowie „Skribent“ (den wir noch gar nicht kennen/erwähnt haben). Außerdem ist „Schriftsteller“ eine Berufsbezeichnung.

An dieser Stelle also ein kurzer Einschub: Der „Skribent“ ist ein „Vielschreiber“ oder „Schreiberling“. Also wieder einmal ein abwertendes Wort (gibt ja anscheinend einen ganzen Haufen davon…). Das Wort kommt aus dem Lateinischen: „scribere“ heißt „schreiben“.

Der Literat ist heutzutage ein Schriftsteller. Ursprünglich (also ab dem 16. Jahrhundert) war er aber erst einmal ein „Schriftkundiger“ oder „Sprachgelehrter“, jemand, der sehr gebildet war. (Das erklärt dann wohl auch, warum „Literaten“ eine Art Elite darstellen, wenn es nach denen geht, die das Wort nutzen.)

Weder der Schreiberling, noch der Tintenkleckser kommen im Herkunftswörterbuch vor, also kann ich euch keine Informationen dazu geben, seit wann die Wörter in Verwendung sind. Aber ich kann ja mal raten, wie sie zustande kamen:

Ich vermute mal, dass der Tintenkleckser schlicht und einfach jemand sein soll, der nichts anderes als Kleckse (oder ähnlich sinnlose Dinge) zu Papier bringen kann.
Der Schreiberling klingt ja ein wenig „verniedlicht“, was wohl schon besagt, dass er nur ein kleines Licht im großen Gefüge sein kann.

Der Schriftsteller hebt sich also schon einmal ab. Er verdient Geld.

Auch der Literat hebt sich ab. Er ist gebildet, intellektuell, gehört zur Elite.

Der Tintenkleckser ist, genau wie der Skribent, ziemlich weit unten in der Hackordnung – somit sind diese Wörter keine üblichen „Eigenbezeichnungen“.

Der Schreiberling ist in der Schwebe. Einerseits soll er viel und schlecht schreiben, aber andererseits ist er nicht immer negativ zu betrachten. Vor allem heutzutage nicht. Eine recht häufige „Eigenbezeichung“ vor allem für jemanden, der sich nicht traut sich „Autor“ oder „Schriftsteller“ zu nennen.

Somit ist anzunehmen, dass sowohl der Autor (da er durch den Schriftsteller ersetzt wurde), als auch der Schriftsteller Menschen sind, die etwas veröffentlicht haben. Der Autor muss allerdings nicht zwangsläufig literarische Werke vorweisen. Ob er Geld verdienen muss oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis. Da es nicht als „Berufsbezeichnung“ gilt, vermutlich nicht.

Somit wird der Schreiberling vermutlich nur zum Autor wenn er etwas veröffentlicht. Und idealerweise sollte es auch noch gut sein. Will er Schriftsteller sein, so sollte er der wohl zudem Geld verdienen. Und im Idealfall ist Schreiben dann der Beruf. Frage beantwortet, Neko? 😀

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12 Kommentare zu “Was bin ich eigentlich? Und was seid ihr?!

  1. Tinka Beere sagt:

    Also ich kann mich mit gutem Gewissen als Autor bezeichnen, immerhin veröffentliche ich meine Texte auf meinem Blog ^^ Aber ich bezeichne mich auch als Schriftsteller, manchmal auch als Schreiberling, denn der steckt ja im Autor und Schriftsteller irgendwie mit drin. Tintenkleckser muss ja nicht unbedingt negativ sein, wenn man bedenkt, dass die ersten Noten in der Musik auch nur Kleckse auf Papier waren ^^ Und in der Psychologie gibt es doch auch diese Tintenklecksbilder …
    Ich finde Tintenkleckse unheimlich kreativ und manchmal kommt aus einem Haufen Kleckse etwas kreatives Neues. So gut wie jeder Maler macht sich wahrscheinlich erst einmal eine Skizze und perfekt muss die nicht sein, nur erstmal das wichtigste enthalten, also darf doch auch ein Mensch, der schreibt erst einmal rumklecksen und wenn dann ein Bestseller daraus wird, umso besser 😀
    Trotzdem sind das interessante Gedanken zu dem Thema und ich habe auf jeden Fall dazu gelernt ^^

    Lg Tinka 🙂

    • kaiglaeser sagt:

      Klar muss man das nicht alles so sehen – aber sprachlich ist es anscheinend so 😀

      Immerhin haben Tintenkleckse etwas mit Tinte zu tun. Und damit schreibt ja heute kaum noch jemand – also hat sich dieser Ausdruck vermutlich früher oder später ohnehin erledigt 😉 (Es gibt ja leider zu viele Wörter, die verschwinden, aber das ist wohl der Lauf der Dinge…)

  2. Tinka Beere sagt:

    Hat dies auf Tinka Beere rebloggt und kommentierte:
    Interessante Gedanken, wie ich finde, zu dem Thema. Manch einer wird dadurch vielleicht angeregt zu dem zu stehen, was er ist 🙂

  3. Hat dies auf Nekos Geschichtenkörbchen rebloggt und kommentierte:
    Tja… gut das ich meist meine eigene Meinung schreibe und nicht von Duden ab 😛

  4. veledalantia sagt:

    Ich gehöre irgendwie nirgendwo fest rein XDD
    Gut recherierter Artikel Ser ❤

  5. „veröffentlichen“ ist in internetzeiten ja auch wieder relativ (bei schreibwettbewerben scheiden sich daran die geister). ich bleibe bei „schreiber“ – bis mein roman in der ersten buchhandlung im regal steht. dann werde ich voller stolz „autor“ sagen können – hoffe ich 😀

    • kaiglaeser sagt:

      Ja, da gebe ich dir Recht. Die „Internetzeiten“ verändern viel.

      Schreiber – auch sehr schön. Vielen Dank 🙂

      Und: Das ist doch ein gutes Ziel – und eine schöne Selbstbelohnung 😉

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