Teilen in der Not und trotz Gefahr

Der Text von Frau Stadelmann hat mich auf die Idee gebracht selbst noch etwas zu dem Thema zu schreiben:

Auch mir sind einige Menschen bekannt, die im zweiten Weltkrieg nicht aufgaben – auch keine anderen Menschen. So gab es ja auch in Deutschland Kriegsgefangene, zum Beispiel aus Frankreich oder Russland. Natürlich gab es Leute, die „ihre“ Kriegsgefangenen schamlos ausgenutzt haben und ihnen weniger zu essen gaben, als sie sollten. Aber es gab auch die Anderen, die sich in Gefahr begaben.

So war es zum Beispiel verboten diese Menschen mit am Tisch essen zu lassen, man sollte sie eben nicht wie ein Mitglied der Familie oder auch nur der Mitarbeiter sehen. Hätten das die Falschen mitbekommen, hätte das richtig Ärger geben können – wie der in der Hitlerzeit aussehen konnte, braucht man ja nicht zu erklären… Dennoch hat sich nicht jeder daran gehalten. In einer Gärtnerei, von der meine Oma erzählte, wurde ein Kriegsgefangener sehr gut behandelt, bekam ordentlich zu essen und man war nett zu ihm. Das hat sich aber auch ausgezahlt: Der Mann war Soldat und kannte sich entsprechend damit aus, wie man überleben konnte. Er hat mindestens einmal den dort arbeitenden Frauen das Leben gerettet, als Tiefflieger kamen. Er wusste genau, wo sie sich verstecken konnten, ohne, dass man sie sah oder auch nur zufällig in die Richtung schoss, denn für den Weg zu einem Bunker o.ä. war es zu spät. Es gab also ein Geben und Nehmen – schließlich wusste auch er, dass die Menschen dort nichts für seine Situation konnten.

Mein Urgroßvater wiederum  hat u.a. vorbeiziehenden Gefangenen immer wieder etwas zu essen zugeworfen, wenn sich eine Gelegenheit ergab. Mein Opa hat immer sehr stolz davon erzählt.

Es stimmt also: Nicht immer war jeder nur Böse. Selbst in den schlimmsten Zeiten gibt es Lichtblicke.

Advertisements

5 Kommentare zu “Teilen in der Not und trotz Gefahr

  1. Texthase Online sagt:

    Ich habe leider den Namen vergessen. Aber ein Befreiungstheologe aus Mittelamerika hat geschrieben: „Freiheit bedeutet nicht tun und lassen zu können, was man will, sondern Gutes zu tun.“ So ist jede Sanktion, die Menschen für Freundlichkeit erleben, eine empfindliche Einschränkung ihrer Freiheit.

    • kaiglaeser sagt:

      Wow, da ist was Wahres dran. Das ist wirklich ein guter Satz. 🙂

      Je mehr man darüber nachdenkt, desto passender ist diese Aussage!

      • Texthase Online sagt:

        So ging es mir auch damit! Und was man bedenken sollte, in Regimen oder Verhältnissen, in denen diese Art derFreiheitseinschränkung vorgenommen wird, wird schleichend dafür gesorgt, dass Menschen sich diesbezüglich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen und die Bedrohung wird langsam aufgebaut!

      • kaiglaeser sagt:

        Könnte hinkommen – wenn es zu schnell/zu auffällig wäre, würde es eben zu sehr ins Gewicht fallen für die Leute – noch mehr als es das ohnehin tut.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s