Traurige Ideen – nein, nicht so, wie ihr jetzt denkt.

Zur Zeit kommt mein Kopf kaum zur Ruhe, Ideen schwirren in Schwärmen darin umher: hier eine, dort eine und da vorn ist schon die nächste! Die Zeit und Energie habe ich gar nicht, all denen gerecht zu werden. Die „Warteschlange“ wird immer länger.

Manchmal ist es von Vorteil, wenn dann etwas kommt, das eine Zeitbegrenzung gibt oder eine Unterbrechung. Es sind keine zwei Wochen mehr bis ich meine Weisheitszähne loswerde. Dann ist vermutlich mal etwas Ruhe. Zumindest wäre das mal etwas Positives, das ich daran finden könnte.

Versteht mich nicht falsch: Als Autor will man ja Ideen, braucht Ideen. Aber wenn man vor lauter Ideen nicht mehr weiß wohin, dann wird es auch zuviel. Gut, ein paar davon lassen sich immer wieder verdrängen, ich schreibe längst nicht alle – aber dann sind ja noch die, die eigentlich schon geschrieben sein wollten und bei denen immer etwas dazwischen kam. Dabei hätten sie es so sehr verdient!

Ich kann bei nichts Anderem so abschalten wie beim Schreiben. Zumindest, solang es mir gut genug geht. Allerdings reicht es momentan noch immer „nur“ zu Kurzgeschichten, alle anderen Ideen stehen da und scharren mit den Hufen. Irgendwie traurig oder? Denn manchmal sind Ideen wie lebende Wesen und man meint fast, man könne sie leiden sehen. 😉

Und dann meint mein Körper ihnen dazwischenfunken zu müssen und stellt sich der Kreativität mit Schild und Schwert entgegen, nur um ihr die Zunge rauszustrecken. Die Kreativität weiß sich anscheinend keinen anderen Rat, als noch produktiver zu werden – da könnte ja schließlich mal eine Idee dabei sein, die gegen die Hürden ankommt.

Was ist das Resultat des ganzen Spektakels? Noch mehr traurige Ideen, die sich noch weiter hinten anstellen oder heulend in der Ecke sitzen, weil sie nicht verstehen, warum sie da sind, wenn man sie doch gerade gar nicht braucht. Sie tun mir leid, aber wie soll ich ihnen helfen? Manche sind notiert, andere muss ich gänzlich ignorieren und nur eine Auswahl darf sich darüber freuen, dass ich in Gedanken mit ihr spiele.

Das reicht natürlich nicht, ideale Ideenhaltung funktioniert anders. Man denke an ein großes Freilaufgehege, in dem sie fröhlich umherhüpfen und sich freuen, wenn man ihnen ein wenig Beachtung schenkt. Ab und zu, wenn eine Idee gewachsen und gereift ist, holt man sie heraus und stattet sie weiter aus, damit sie stark genug ist, um in die große, weite Welt der Geschichten zu ziehen. Doch das ist bei den meisten momentan nur eine Illusion.

Traurige Ideen – trauriges Ich.

Kennt ihr das auch?

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14 Kommentare zu “Traurige Ideen – nein, nicht so, wie ihr jetzt denkt.

  1. Neko sagt:

    Hat dies auf Nekos Geschichtenkörbchen rebloggt und kommentierte:
    Zu viele gute Ideen um sie alle auszuformulieren. Klar, wer kennt es nicht? 🐾🐱

  2. wiesenirja sagt:

    Und wie ich das kenne … 😦
    Also, bau ihnen ein hübsches Gehege mit Spielmöglichkeiten in der Rubrik „Notizen“. Dann sind sie nicht mehr so traurig. Und dann führt nichts am Terminkalender vorbei, wann man mit welcher Idee Gassi geht und welche richtig raus darf …
    Naja, viele sind ja auch noch ziemlich unreif, jedenfalls bei mir. Die müssen erst mal gepäppelt werden. Oder man legt sie in Tiefschlaf auf Eis (das geht bei Ideen ganz gut). Dauerwinterschlaf, bis man was mit ihnen anfangen kann.
    Alles andere … führt zu Chaos und Gar-nix-mehr-hinkriegen. (Was ich derzeit praktisch-experimentell teste. 😦 )

    • kaiglaeser sagt:

      Entschuldige, irgendwie ist mir mal wieder ein Kommentar flöten gegangen.

      Kryostasekammern für Ideen, die nicht dürfen, vielleicht? 😀 Winterschlaf ist ja auch unsicher, da will ja ab und an dann doch mal jemand raus 😉 Und die Gehege vielleicht besser nach Reifegraden sortieren? Hätte Vor- und Nachteile, aber zumindest könnte man schneller zuordnen.

      Ich habe eine Liste von Ausschreibungen. Und manchmal fische ich dann eine Idee, die sich längst aufgegeben hat aus ihrer Ecke und belebe sie neu 😀 So werden zumindest einige geschrieben und geben dann Ruhe (und wenige auserwählte Ideen dürfen sogar per Mail verreisen. Lach.,)

      Praktisch-experimentell? Also hat auch dein Ideenhaltungssystem einen Schwachpunkt?

      • wiesenirja sagt:

        Kryostase, genau. Oder Winter_ruhe_ (wie Eichhörnchen, die zwischendurch aufwachen und Nüsse suchen gehen).
        Sortierung ist schwierig: nach Reifegraden, ja, aber natürlich auch nach Genres o.ä. (wenn man mehrere auf Lager hat).
        Mit Ausschreibungen halte ich es genauso wie Du. (Dazu eine Liste fertiger und fast fertiger Texte mit wichtigsten Angaben.)
        Mein Ideenhaltungssystem hat natürlich Schwachpunkte! Es gibt kein absolut optimales System. Hauptschwachpunkte sind allerdings meine Schweinehunde und ich, derzeit v. a. mein Hin- und Herhüpfen zwischen viel zu vielen Ansätzen.

      • kaiglaeser sagt:

        Eben. Dann gehen die Ideen zwischendurch suchen, bei Kryostase können sie das nicht mehr. Da hat man dann die Kontrolle. Allerdings steht ja dann zu befürchten, dass sie hinterher beleidigt sind.

        Eine Liste fertiger/fast fertiger Texte habe ich nicht – und kann mir ehrlich gesagt auch gerade schwer vorstellen, was du meinst. ^^“

        Der Mangel an optimalen Systemen ist vermutlich genau das Problem 😉 Nach Genres? Ich glaube da müsste ich ein paar Ideen vierteilen oder so, nein, das tue ich ihnen nicht an. Die wissen ja zum Teil noch gar nicht richtig in welche Richtung sie nun genau hüpfen wollen. Das ginge ja maximal bei älteren Ideen?

        Gleich mehrere Schweinehunde? Herrje. Was für ein Chaos!
        Und Hüpfen sollst du ja auch nicht. Im Zweifelsfall Lose ziehen oder auswürfeln. 😉

      • wiesenirja sagt:

        Eine Liste fertiger/fast fertiger Texte – naja, im Laufe eines Schreiblebens sammelt sich ja so einiges an, was nicht rechtzeitig fertig geworden ist oder dann doch nicht in die Anthologie kam oder, oder … Um den Überblick zu behalten, habe ich irgendwann eine Liste mit Thema, Länge u.ä. der Stories angelegt und kann so häufig etwas hervor kramen, was dann wieder zu einer anderen Ausschreibung (o.ä.) passt.

        Ja, und manche Ideen laufen dann notgedrungen auch unter verschiedenen „Genres“. Per Vermerk oder Shortlink oder wieundwas auch immer.

        Ja, Chaos … Ich versuche derzeit nach einem Mischsystem aus Stimmung und Priorität (drängender Einsendeschluss o.ä.) zu hüpfen. Ich muss aber entschieden noch mehr Ruhe reinbringen … :-/

  3. kaiglaeser sagt:

    Ach, das meinst du 🙂 So eine Liste habe ich nicht. Aber mein Schreibordner hat zig Unterordner – bisher reicht mir das 😀

    Hast du inzwischen mehr Ruhe gefunden?

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