Ob ich wohl irre bin?

Ich habe mir etwas in den Kopf gesetzt – wieder einmal!

Heute habe ich eine Freundin von mir getroffen, sie hatte Zeichenkram für uns bestellt. Das ist ja schon echt cool. Noch besser aber ist, dass ich nun nicht nur eine Zeichenfeder habe, sondern auch Kalligraphie-Federn. Auf die bin ich besonders gespannt. Drückt mir die Daumen, dass ich mit denen gut schreiben kann!

Ich habe nämlich einen Plan, jawohl!

Erinnert ihr euch noch an Geschichte(n) eines Schreiberlings? Es ist mal wieder an der Zeit in Zofias Rolle zu schlüpfen. Allerdings anders. Neu.

Ich habe ja von der Rumänienanthologie – beim Wunderwaldverlagberichtet, zumindest kurz. Es ist ein wenig mehr Zeit, als ich erwartet hatte, also werde ich wohl zumindest ein wenig mit Federhalter planen, vielleicht sogar einen kleinen Teil damit schreiben.

Kommen wir mal zu dem (von mir erwarteten) „Pro und Contra“ des Experimentes:

Gut ist:

– Federhalter ist da

– mehrere Schreibfedern habe ich auch

– „nur ein bisschen“ ist (zumindest für den Anfang) sicherlich nicht verkehrt

– besser als nur zu spekulieren wird es sicherlich sein

– ich bin einen Schritt weiter – eh nein, weniger weit? Weiter zurück! – als mit dem Füllfederhalter – selbst mit Konverter!

– vermutlich macht es auch noch Spaß ;P

Schlecht ist:

– Ich habe keine „alte“ Tusche, sondern werde auf moderne Varianten zurückgreifen müssen. Sprich: chemischer, als das früher der Fall war.

– Das Papier war früher auch schlechter und da mein Papyrusexperiment ja leider gescheitert ist… Laut meiner Oma hatte man früher ein Papier, das noch schlechter war, als Zeitungspapier – bekomm sowas mal, heutzutage. 😉

– Für ganze Geschichten oder gar einen Roman o.ä. fehlen mir Zeit & Geduld, das weiß ich schon jetzt. 😀 Fast sicher zumindest.

– So richtig wie früher wird es wieder einmal nicht sein. Aber ein-wenig-nacherlebte Historie ist noch immer besser als bloßes Beschreiben, vermute ich.

Bin ja mal gespannt. ;P

Achja:

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Geschichte(n) eines Schreiberlings – Papyrusexperimente: Das Ende

Ich hatte es ja schon befürchtet aber nun ist es Gewissheit: Mein Experiment ist gescheitert. Ich konnte mich nicht ausreichend darum kümmern und der Papyrus sah zunehmend schlechter aus. Ich hätte ihn euch ja gern gezeigt, aber ich hatte ihn ja bei meiner Mutter. Betonung liegt auf „hatte“ – der ist nämlich vor ein paar Tagen in den Müll gewandert. Nun gut. Falls ich es irgendwann noch einmal versuche, werde ich ihn kürzer einweichen – aber momentan steht mir der Sinn nicht danach. Schade. Stattdessen werde ich mal ein wenig recherchieren und euch demnächst (also vermutlich in ein paar Wochen) darüber informieren, wie Papyrus denn nun tatsächlich hergestellt wurde – und selten noch wird.

Geschichte(n) eines Schreiberlings – Papyrusexperiment: Stagnationserklärung

Eigentlich sollte ich mit meinem Experiment längst eine Stufe weiter sein. Warum das nicht geht, erkläre ich euch heute. Bei dem nächsten Schritt muss ich die Fasern plätten. Einfacher ausgedrückt: Immer kräfig mit’n Hammer druff, aba wacka getz! Naja. Am „kräftig“ scheitert es momentan, Kranksein ist doof.

Ich riskiere also, dass alles umsonst war. Weil ich keine Ahnung hab, ob der Papyrus verfaulen oder schimmeln kann. Aber mir bleibt nichts anderes übrig. Und vielleicht habe ich ja Glück und es geht auch – keine Ahnung wann – noch, wenn es mir wieder besser geht.

Nach dem Zerfasern muss ich es (mit waagerechten und senkrechten Fasern) zurechtlegen und pressen (ich werde es dazu vermutlich zwischen Tücher legen und etwas Schweres draufstellen). Danach ist es hoffentlich fertig – oder ich weiß zumindest, dass es misslang. Wenn es wieder weitergeht, halte ich euch dahingehend auf dem Laufenden…

Geschichte(n) eines Schreiberlings: Papyrusexperimente – Zwischenbericht

Ich habe heute mal ein neues Bild von den Papyrusstücken aufgenommen. Es ist leider nicht besonders gut geworden, aber ich glaube man erkennt, dass es sich verfärbt hat.
Es sieht ein bisschen aus wie nasses Stroh. Es ist ziemlich weich und wesentlich elastischer als vorher. Ich denke, dass ich spätestens am Wochenende versuchen werde einen weiteren Schritt in der Verarbeitung zu testen. Ich bin noch immer sehr gespannt, ob es überhaupt funktionieren kann.

Geschichte(n) eines Schreiberlings: Papyrusexperimente – Schritt 2

Nachdem man also die Innenteile der Papyruspflanze zerkleinert hat, sucht man sich ein Gefäß, das groß genug ist, um sie zu wässern.

Ich habe dazu eine Wäschewanne genommen – ich wollte sichergehen, dass die Menge an Wasser ausreicht. Dies ist ein Foto, das ich aufgenommen habe, nachdem ich das Wasser eingefüllt habe. Wenn sich Veränderungen ergeben, werde ich natürlich weiterhin Fotos machen.

Ansonsten braucht man nun erstmal viel Geduld. 1-2 Wochen werde ich die Stücke im Wasser lassen. Mal sehen, ob ich es zwischendurch austauschen muss. Sie sind nun seit fast 2 Tagen in der Wanne, ich habe noch nicht wieder geschaut (hole ich später nach).

Der alte Mann betrachtete seine Schützlinge. Die Pflanzen gediehen gut. Er wählte einige besonders stabile Stängel aus und schnitt sie mit einem Messer ab. Anschließend bündelte er sie und brachte sie in seine Werkstatt.
Seine Frau wartete schon und schnitt die Stängel in Stücke. Mit großer Mühe konnte sie das Grün vom weißen Inneren trennen. Doch die vielen Jahre der Übung sorgten dafür, dass sie schnell war.
Der Mann nahm die Stücke und wässerte, mehrere Tage ließ er sie im Wasser quellen.

Nunja. Das ist so in etwa das Bild, das ich im Sinn habe. Wieviel davon der Wahrheit entspricht, werden wir sehen, wenn ich nach meinem Experiment die tatsächliche Geschichte näher betrachte 😉

Geschichte(n) eines Schreiberlings: Papyrusexperimente – Schritt 1

Mir war es ein wenig zu langweilig immer nur von Geschichte zu erzählen. Lesen kann man ja schließlich viel – das heißt aber noch nicht, dass man alles perfekt versteht. Also muss man manche Dinge nachempfinden. (Ein Beispiel dafür wäre auch experimentelle Archäologie, die natürlich wesentlich komplexer ist als ein solch „winziges“ Experiment.)

Meine Mutter hat gestern ihren Papyrus „ausgemistet“ und umgetopft. Perfekt! Schnell habe ich mir einige abgeschnittene Stängel mitgenommen und mein Experiment begonnen: Papyrusherstellung!

Ich frage mich, ob es gelingen wird. Ich habe nur eine grobe Vorstellung davon, wie das Ganze funktioniert und wollte auch nicht groß Recherchieren. Grundlegendes Wissen hat in diesem Fall zu reichen. Schließlich mussten die alten Ägypter es ja auch irgendwie lernen.

Für Papyrus benötigt man das Innenleben der Stängel. Ich habe euch direkt mal ein Foto gemacht. Das ist das Material, mit dem ich bei meinem Experiment arbeite – und glaubt mir, ich habe viel Zeit und Anstrengung gebraucht, um das zusammenzubekommen. Die Stängel waren ziemlich hart und man musste es ja auch noch irgendwie trennen. Ich vermute allerdings, dass es in Ägypten etwas leichter ist. Papyrus kann über fünf Meter groß werden – der von meiner Mutter hat vielleicht eine Höhe von anderthalb bis zwei Metern. Entsprechend dünn sind die Stängel nun auch. Naja, kann ich mit leben, solang es am Ende funktioniert (drückt mir die Daumen).

Ideal wäre es natürlich, wären alle Stücke gleich lang, breit und dick, aber das ist illusorisch und bei dieser Pflanze einfach nicht möglich gewesen. Ich habe die Innenteile anschließend noch gedrittelt, damit ich mehr, aber dünnere Stücke zur Verfügung habe.

Übrigens muss man Papyrus innerhalb einiger Stunden verarbeiten, sonst wird er braun. Das passiert auch, wenn die Pflanzenteile z.B. geknickt werden.

Wie es weitergeht erfahrt ihr dann bei Schritt 2 😉

Geschichte(n) eines Schreiberlings – Teil 2

Zofia schob die Schreibmaschine zur Seite. Eine nette Neuerung, ja, aber auch anstrengend. Sie ging zu ihrem Sekretär (die Schreibmaschine durfte dort nicht stehen, sie war ihr zu modern) und entnahm einem der Fächer ein Etui. Sie legte es hin und öffnete es dann. Es befanden sich zwei Füllfederhalter darin. So lange Zeit hatte sie mit ihnen geschrieben und nun sollte das einfach vorbei sein?

Der neuere Füllfederhalter lag gut in Zofias Hand. Ein ganz modernes Stück mit Tintenpatronen war das, noch keine zehn Jahre alt. Auch etwas, das ihr Sohn Lukasz ihr geschenkt hatte – wie die Schreibmaschine. Jedes Mal, wenn er etwas Neues mitbrachte, glänzten seine Augen vor Stolz. Er liebte moderne Dinge und zeigte ihr das sehr deutlich. Wäre es nach ihr gegangen, hätte sie durchaus bis zum Ende ihres Lebens den alten Füllfederhalter genutzt.

Dem älteren Füllfederhalter sah man durchaus an, wie lang sie ihn schon besaß. Sie hatte ihn 1950 gekauft. Mehrere Wochenlöhne hatte sie dafür verwenden müssen, doch das war es durchaus wert gewesen. Wie viele Jahre er ihr nun schon treue Dienste leistete. Wie viele Tintenfässer sie in ihn hineingesaugt hatte. Zofia nahm ihn in die Hand und spielte gedankenverloren an dem Teil, das man drehen musste, um Tinte einzusaugen. Einige Tropfen Tinte kleckerten auf den Boden. Zofia sah es und nahm ein Löschpapier aus dem Sekretär, um die Flecken aufzufangen.

Schließlich nahm Zofia ein paar Blätter Papier und beschrieb sie. Erst benutzte sie den Patronenfüllfederhalter und schrieb, bis er leer war. Lächelnd kramte sie nach neuen Patronen, doch es war keine zu finden. Ihr Lächeln erstarb. Sowas Blödes. Hatte sie tatsächlich vergessen Nachschub zu kaufen?! „Jetzt müsste man dich aus dem Tintenfass nachfüllen können“, sagte sie zu der leeren Patrone. Doch das konnte man nicht.

Zofia legte den neueren Füllfederhalter beiseite und nahm den älteren in die Hand. Zärtlich strich die alte Frau über das Plastik. Dann setzte sie die Federspitze auf das Papier und schrieb. Dadurch, dass sie ihn nicht abwischte, nachdem er Tinte verloren hatte, breitete sich zuviel Tinte auf dem Papier aus und es gab einen großen Fleck. Davon ließ Zofia sich nicht irritieren. Sie schrieb einfach weiter und die Schrift normalisierte sich.

Die Geschichte handelte von einem Sommer am Meer. Gerade, als ihr Hauptcharakter in die Fluten springen wollte, war der Füller leer. Zofia seufzte, teils enttäuscht, teils wehmütig. Sie zog das Tintenfass zu sich, schraubte es auf und tauchte die Spitze der Feder hinein. Sie drehte an der oberen Seite des Füllfederhalters, bis er zur Gänze gefüllt war. Anschließend verschloss sie das Tintenfass, bevor sie ihre Geschichte beendete.

Mit einem Lächeln nahm Zofia die beschriebenen Blätter hoch. Dann stand sie auf und ging zur Schreibmaschine. Daneben lag ein Stapel Papier, auf das sie eine andere Geschichte getippt hatte. Zofia verglich. Ohne Zweifel hatte das mit Tinte beschriebene Papier mehr Charakter, doch ihre Schrift war größer und so passte weniger auf jedes Blatt. Außerdem, das gab sie zu, wäre für andere Leute ihre Schrift sicherlich wesentlich schwerer zu entziffern.

Irgendwann würde sie sich entscheiden müssen, welche Art des Schreibens die bessere war. Doch nicht an diesem Tag…

 

Heutzutage sind Füller fast immer mit Patronen versehen. Kolbenfüllhalter sind selten geworden und meist sind sie alt oder sehr teuer. Immerhin gibt es für manche Patronenfüller Konverter, mit denen sich ebenfalls Tinte aus Fässern ziehen und speichern lässt – was den Abfall doch deutlich reduzieren kann, wenn man viel schreibt.

Doch schreiben wir heute noch viel mit Füllern?

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, waren Füller zunächst sehr alltäglich. Als man das Schreiben mit selbigen erlernte, musste zunächst jeder das gleiche Modell besitzen, später wurde es dann bunt im Klassenzimmer. Jeder hatte andere Vorlieben. Ein paar Jahre später dann schrieb man gehäuft mit Tintenrollern. Manche auch mit Kugelschreibern. Auf jeden Fall wurden Füller zunehmend „uncool“.

Computer wurden auch immer häufiger und zumindest außerhalb des Unterrichts und der Hausaufgaben schrieb ich am Computer. Nur wenn ich unterwegs war, im Bus zum Beispiel, oder auf jemanden wartete, stand ich mit Tintenroller, Kugelschreiber oder Bleistift da und füllte Seite um Seite in meinem Collegeblock. Immer wieder wurde ich seltsam angesehen. Wer schrieb schon freiwillig außerhalb der Schule?!

Ich. Und auch ein paar meiner Freunde. Mit Vorliebe. Und wir lasen das, was die anderen schrieben. Redeten über unsere Geschichten und entwickelten sie weiter. Ich weiß noch, dass ich in der Zeit etwas mit Vampiren und etwas mit Wolken schrieb, besitze aber nur noch kleine Teile meiner Aufzeichnungen. Schade eigentlich. Es wäre doch sehr interessant zu sehen, was man im Laufe der Zeit verbessern konnte…

Doch ich schweife ab, zurück zum Thema: Füller sind heute fast schon Wegwerfartikel. Es gibt noch immer teure Modelle, die im Zweifel ein Leben lang halten sollen, aber die meisten Schreibgeräte müssen billig sein. Oder nein: preiswert! Aber dennoch gut gemacht. Im Normalfall sind sie aber billig. Meiner Meinung nach sollte man schon genauer darauf schauen, was man sich kauft. Ich habe einen Füller, den ich mal zu Kommunion bekam. Kein besonderes, kein teures Modell. Der Füller mag seine Macken haben, aber er schreibt noch. Theoretisch. Praktisch habe ich ihn schon seit mindestens zwei Jahren nicht mehr angerührt.

Warum auch? Kugelschreiber sind so viel einfacher! Man versaut sich auch gar nicht erst die Finger mit Tinte. (Das war auch mal anders. Frühe Kugelschreiber haben auch rumgesaut…)

Was mich immer sehr gestört hat ist, dass nach langem Schreiben mit dem Füller die Hand verkrampft und schmerzt. Das geht einigen so. Und beim Tippen bin ich wesentlich schneller. Schreibe ich von Hand, komme ich nur schwerlich mit meinen Gedanken mit. Und wenn, dann nur mit Bleistift oder Kugelschreiber…

Ein paar Vorteile bleiben den Füllern jedoch noch immer:

– Wenn man mit ihnen schreibt, sieht es ganz anders aus. Kann man es halbwegs schön und hat eine gute Feder, dann kann es sogar sehr edel wirken. (Ich bevorzuge bei Briefen noch immer, wenn sie mit Füller geschrieben wurden.)

– Es gibt viele Tintenfarben. Die man wechseln kann! Heute will ich grün, morgen rot und übermorgen lila! Na gut, bei so schnellen Wechseln muss man natürlich entweder Tinte wegwerfen oder seeeeehr viel schreiben. Zumindest bei Patronenfüllern. Bei Kolbenfüllern kann man die Tinte auffangen und später wieder benutzten oder nur eine geringe Menge in den Füller ziehen. Ihn dann bei Farbwechsel ein paar Mal mit Wasser füllen, wieder leeren und dann die neue Farbe hochziehen. (Ich finde die echt toll, seit ich Omas Füllfederhalter kenne. Irgendwann kaufe ich mir auch sowas!)

– Sie sind (wenn sie nicht schlecht verarbeitet sind) keine Wegwerfartikel. Das kann Müll reduzieren.

– Etwas, das mit Füller geschrieben wurde, hat meist eine persönlichere Note, als etwas, das getippt wurde.