Geschichtswissen für Zwischendurch: Swing-Jugend

Die Swing-Jugend war eine Gegenbewegung während der Zeit, als die Masse der NSDAP folgte. Will heißen: Das waren junge Menschen, die nicht dem Nazi-Einheitsbrei angehören wollten. Die eigene Lebensvorstellungen hatten, sich nach dem sehnten, was der Rest der Welt (vor allem das „verteufelte“ Amerika zu bieten hatten.) Und natürlich nach der Swingmusik. Logisch, sonst hätten sie ja einen anderen Namen. Anfangs hatten sie mit Politik nicht viel am Hut, als man aber gegen sie vorging, änderte sich das bei manchen.
Swing war verpönt, entartet, u.a. weil es für die Nazis „Negermusik“ war. Dass es gar nicht von Hautfarbe o.ä. abhängen musste, wer Swing spielte oder komponierte (siehe Glenn Miller), war egal. Amerika war ja ohnehin der Feind, ein weiterer Grund, warum man Swing nicht sehen und hören wollte. Obwohl es durchaus noch Örtlichkeiten gab, an denen er gespielt wurde – mit deutschen Titeln getarnt o.ä.. Das ließ die Swing-Jugend nicht auf sich sitzen. Manche hörten „Feindsender“ oder Platten, bei denen man natürlich aufpassen musste, dass die nicht in die Finger der falschen Leute kamen – manche spielten die Musik natürlich auch selbst.

Wer sich über die gewollte Musik, den gewünschten Tanz hinwegsetzte, der galt natürlich auch als „Gefahr“ oder zumindest als unerwünscht oder musste genauer beobachtet werden. In der Tat gab es einige, die ihren Frust, ihre andere Meinung, nicht nur durch Musik und Tanz ausdrückten sondern auch anderweitig gegen Hitler und co. vorgingen. Es gab sogar Kontakte zur „Weißen Rose“, einer der bekanntesten (jungen) Widerstandsgruppen.

Besonders aktiv war diese „Szene“ (so würde man es heute vermutlich nennen) in großen Städten.

Weitere Informationen zum Beispiel hier und hier

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Geschichtswissen für Zwischendurch: Von Taphephobie, Glöckchen und Herzstichen

Da es ja aktuell wieder eine Scheintote gab, erinnerte ich mich an folgende historischen Dinge:

Früher, als die Medizin noch nicht so weit war, hatten viele Menschen Angst davor lebendig begraben zu werden (gut, manche haben das auch heute noch). Sowas kam ja immer mal wieder vor. Wer tot wirkte, der war eben tot – zumindest für die Anderen. Da gab es noch keine so festen Regeln wie heute, wann denn jemand für tot erklärt werden kann. Das kam auch wirklich vor – Leichen, die verdreht in Särgen lagen, Kratzspuren usw. fielen auf, wenn aus irgendeinem Grund mal ein Grab/Sarg geöffnet werden musste. Die Angst davor lebendig unter der Erde zu liegen und dort qualvoll zu sterben, brachte die Menschheit auf allerlei Ideen:

– Bereits in der Antike versuchte man vermeintlich tote irgendwie zu reizen, festzustellen, ob sie noch reagierten (was natürlich nicht immer etwas gebracht hat)

– Später hat man dann irgendwie versucht festzustellen, ob es noch Atmung gibt, die man nicht sieht. Mit Federn oder Kerzen zum Beispiel. Oder man hat gezwickt oder gepiekst – aber auch das muss nichts bringen. Bei einem Koma o.ä. reagiert dann schließlich auch niemand mehr auf solche Aktionen.

– Man hat versucht etwas am/im Grab zu montieren, mit dem sich ein Scheintoter bemerkbar machen konnte. Zum Beispiel Glöckchen im Sarg oder eine Glocke auf dem Grab mit Schnur nach unten

– Zum Teil wurden Atemröhrchen installiert, damit man im Sarg nicht ersticken musste und auch in der Hoffnung, dass so Schreie besser nach außen dringen konnten.

– Manche ließen sich quasi „nochmal töten“, verfügten das also vorher schon, damit sie auch ganz sicher tot waren, wenn sie dann unter der Erde lagen. Oder verlangten, dass man sie erst bei Anzeichen von Verwesung begrabe, o.ä.

– Später gab es dann auch offene Leichenhallen, aus denen die vermeintlichen Toten einfach hätten aufstehen und herausgehen können (und somit erst begraben werden mussten, als sie anfingen zu verwesen).

Mehr dazu zum Beispiel hier und hier.

Geschichtswissen für Zwischendurch: Glenn Miller

Glenn Miller stammte aus Iowa und lebte von 1904 bis 1944. Ob er damals wirklich starb, ist für viele fraglich – er bzw. das Flugzeug in dem er saß gilt als verschollen und wurde vermutlich von Bomben getroffen. Das war zu der Zeit ja nicht gerade eine Seltenheit. Es gibt jedoch auch Verschwörungstheorien, die etwas Anderes behaupten. Sein Orchester/ die Band saß übrigens nicht im gleichen Flugzeug, was dazu führte, dass zumindest sie weiter auftreten konnten.

Glenn Miller hat Posaune gespielt und komponiert. Er war im Radio zu hören und hat später bei der Armee ein Orchester geleitet, das zur Unterhaltung/Motivierung etc der Truppen diente. Zu seinen Stücken zählen zum Beispiel „In the Mood“, „Chattanooga Choo Choo“, „Pennsylvania 6-5000“ und „Moonlight Serenade“. Er zählt zu den bekanntesten Musikern seiner Zeit, was auch dazu führte, dass er mehrmals an der Radiosendung „Wehrmacht Hour“ teilnahm, die der BBC für Deutsche sendete, das gehört dann in den Bereich der „Feindsender“, die hierzulande nicht gehört werden durften – was letztlich dennoch viele Leute taten.

Mehr dazu zum Beispiel in der Ard-Mediathek.

Geschichtswissen für Zwischendurch – Zufallsfund Wehrkirche Reken

Den Beitrag habe ich schon vor zwei Wochen geschrieben, aber verwahrt, weil ich genug anderes zu erzählen hatte. Heute könnt ihr ihn aber doch noch lesen 😉

Da stöbert man herum, um euch keinen Mist über Wehrkichen und ähnliches zu erzählen und statt der Informationen, die man sucht, findet man dann die einzelnen Kirchen.

Warum also gerade diese Kirche? Reken liegt im Münsterland, im Kreis Borken, nicht weit von Dülmen, das sind einfach Ortsbezeichnungen die ich kenne. Das ist etwas mehr als eine Stunde entfernt – und somit das naheliegendste, was mir bisher begegnet ist. Außerdem ist diese Kirche nicht groß baulich verändert worden und ist nun ein Museum, in dem man allerlei Dinge begutachten kann.

Das sorgt dann insgesamt dafür, dass ich Interesse daran habe, sie irgendwann einmal aufzusuchen – wenn ich eine gute Phase habe und sowas packe 😉 Das reicht mir eigentlich schon als Begründung.

Schade ist, dass viele Dinge in der Geschichte der Kirche nicht so ganz klar ist (aber das ist ja vielerorts so, das ist das Problem der Geschichtswissenschaften: wenn nix da ist, muss man Schlüsse aus dem ziehen, was man kennt).

Mehr Informationen zur Kirche bietet eine Seite des Heimatarchivs/Heimatvereins der Stadt:

http://www.archiv-tagging.de/index.php?id=46

Geschichtswissen für Zwischendurch – wehrhafte Sakralbauten vereinfacht erklärt

Ich habe mir heute auf der Fahrt Gedanken darüber gemacht, dass ich ja unbedingt etwas zu Wehrkirchen und Kirchenburgen schreiben wollte. Die Trennung ist allerdings manchmal wahrlich komplex – und macht es eben nicht leicht alles korrekt zu erklären. Mit meinem recherchewütigen Persönlichekeitsteil werde ich mir nicht vollkommen einig. Aber der schläft schon. Also kommt nun der Teil von mir, der es leichter nimmt – der andere darf später (vielleicht).

Eine Wehrkirche ist eine Kirche, die so gebaut oder umgebaut wurde, dass sie Menschen in gefährlichen Zeiten Schutz bieten konnte. Man hat mit einfachen Mitteln, wie starken Türen, Schießscharten, vielleicht einem Ausguck auf dem Glockenturm, eine Verteidugng sicherstellen wollen. Das hat manches Mal durchaus gereicht, um Angreifer davonziehen zu lassen – konnten sie doch immerhin alles außerhalb der Kirche plündern. Allerdings waren Wehrkirchen nicht auf lange Belagerungszeiten eingerichtet, sondern höchstens für ein paar Tage gedacht.

Fluchtkirchen sind Kirchen, die oft wie Wehrkirchen wirken, aber gar nicht richtig zu verteidigen waren. Schießscharten können zum Beispiel auch einfach schmale Fenster gewesen sein. Oder es gab deutliche Schwachstellen an der Kirche, die eben dafür sorgten, dass sie nicht verteidigt werden konnten. Hilfreich konnten diese Kirchen dennoch sein. Schließlich waren die Menschen „aus dem Weg“ und die Behausungen konnten ausgeraubt werden – was manchen Angreifer zufrieden gestellt haben dürfte.

Eine Kirchenburg ist größer und stabiler als die beiden vorher genannten Sakralbauten. Sie ist außerdem von einer starken Mauer umgeben. Es gibt sogenannte „Gaden“, das sind kleine Hütten, die aus einem einzigen Raum bestehen und vor allem als Schlafmöglichkeit gedient haben dürften. Wie viele es davon gab ist auch je nach Kirchenburg unterschiedlich – mit Sicherheit nicht immer genügend. In Kirchenburgen gab es Lagerräume, in denen man auch außerhalb kriegerischer Zeiten etwas verwahren ließ – war natürlich von Vorteil, wenn Feinde herbeistürmten und die Lebensmittel schon in der Burg waren. Kirchenburgen hatten nicht nur Schießscharten und hohe, offene Türme, sondern häufig auch Zinnen, die ja bekanntlich auch bei der Verteidigung helfen. Sie waren darauf ausgelegt größere Sicherheit zu bieten als zum Beispiel eine Wehrkirche und haben sicherlich auch mehr Menschen Schutz geboten – und das auch für längere Zeit, als bei den anderen Versionen.

Ein Wehrfriedhof mutet besonders makaber an, vor allem, wenn man bedenkt, dass dort auf einem Friedhof gewohnt, gekocht, gegessen, geschlafen – und sonst was wurde. Dass es solche Friedhöfe gab ist aber durchaus verständlich, waren sie doch ohnehin von Mauern umgeben. Man hat sie gegebenenfalls noch etwas erhöht, hat sich Hütten/Gaden gebaut und hat sein Leben dort weitergelebt – umgeben vom Tod.

Ich komme jedenfalls zu folgendem Fazit:

Alle Vier waren sinnvoll und werden manches Leben gerettet haben. Die Fluchtkirche wird allerdings nur ein geringes Sicherheitsgefühl geboten haben. Wehrkirchen können sicherlich einiges abhalten, vor allem, wenn sie zusätzlich auf einem Berg stehen und dadurch schon schwieriger zu erreichen sind. Gleiches gilt für Kirchenburgen, nur dass die Gaden das Leben dort ein wenig komfortabler gestaltet haben. Der Wehrfriedhof mag makaber wirken, war aber für manche Gegend sicher eine Notwendigkeit – und man sieht wieder einmal, wie eng Leben und Tod beieinander stehen.

Man merke:

Jede Kirchenburg ist eine Wehrkirche – aber nicht jede Wehrkirche schafft es eine Kirchenburg zu sein!

Und alle, bis auf den Friedhof, so er nicht direkt an eine Kirche angebunden ist, sind Kirchen, in die man sich flüchten kann – nicht nur die Fluchtkirche.

Ist ja eigentlich ganz simpel – oder?

(Ich bitte zu bedenken, dass das nun nicht alles überkorrekt zu sehen ist, vor allem bezogen aus meine Merksätze 😉 )

Geschichtswissen für Zwischendurch – Schwerer als gedacht

Ich habe mich nun tatsächlich dazu entschlossen Kirchenburgen in meine kleine Geschichtswissen-Sammlung aufzunehmen. Blöd dabei ist nur, dass es gar nicht immer einfach ist Abgrenzungen zu finden. Sowohl thematisch bei der Recherche – als auch wissenschaftlich bei der Einordnung von Bauwerken. Und ein Ende zu finden mit der Nachleserei.

Mit Kirchenburgen ist es nämlich nicht getan. Man kommt da echt „von Hölzken auf Stöcksken“. Also wird es mal wieder aufwändiger – kenne ich ja schon (zum Beispiel, wenn aus einer Recherche über Papier ein – gescheitertes – Papyrusexperiment wird).

Es gibt zum Beispiel noch:

– Wehrkirchen

– Friedhöfe, die zur Abwehr umgebaut wurden

– Fluchtkirchen (die häufig nicht gut von Wehrkirchen abzugrenzen sind.

 

Außerdem sind viele Gebäude heute nicht mehr in dem Zustand, in dem sie früher waren. Manchmal ist die ganze Kirchenburg weg und eine neue Kirche steht darüber. Teilweise steht nur ein Turm. Mauern oder Garden wurden entfernt. Man hat die ganze Kirche entfernt (zum Beispiel weil man sie nicht mehr benötigte oder weil sie beschäfigt war) Man hat ein wenig „umdekoriert“ – und so weiter und so fort.

Teilweise finde ich das dann sehr schade. Weil man muss das ja mal so sagen: Die waren damals verdammt schlau! Wie genial ist das bitte ein Gebäude umzubauen, sich damit erwehren zu können – und so dem Bau eines wesentlich aufwändigeren (und teureren) neuen Wehrgebäudes zu entgehen?!  Ich fürchte, dass ich mich da sehr für begeistern kann – und demnächst doch noch ein Buch aus der Unibibliothek leihen muss. Da gibt es nämlich ein thematisch passendes. Wissen, wuhu! (Warum sind eigentlich Themen die für das Studium nicht so wichtig sind interessanter als die, die man können muss? Gemein 😉 )

Ich plaudere jetzt mal ein wenig aus dem Nähkästchen. Vor einigen Monaten kannte ich zwar Wehrkichen, aber keine Kirchenburgen und besonders viel Ahnung hatte ich natürlich auch nicht davon. Ich wollte eine Geschichte mit Zombies schreiben. In meiner Heimatstadt. Und habe überlegt, wie das am besten geht. Also sollte die katholische Kirche herhalten, samt Pfarrheim – und einfach die Mauern hübsch aufstocken. Damit wäre bewiesen: Ich bin fast so schlau, wie die Menschen damals, ha! ;P Dass die Geschichte gescheitert ist lag allerdings nicht an der Kirche, Zombies liegen mir wohl einfach nicht besonders. Was soll’s – schließlich ist nicht jede Idee zu gebrauchen – und als Zeitverschwendung sehe ich sowas selten.

 

Zurück zum Thema. Ich krieg das schon irgendwie hin mit den Beiträgen – dann wird es eben nicht nur einer. Auch ein Vorteil, man braucht weniger andere Ideen für den Blog. Hauptsache wieder den Geschichtsfreak raushängen lassen 😉

Geschichtswissen für Zwischendurch – Magnetresonanztomographie (MRT)

Die Entstehung der Magnetresonanztomographie begann bereits 1946. Erste Versuche an Mensch und Tier gab es aber erst ab 1970. Bei den ersten Versuchen gab es allerdings noch keine Bildgebung und als es sie dann gab, war das Ergebnis nicht detailliert genug, um einen diagnostischen Nutzen daraus zu ziehen.

Erste Magnetresonanztomographen waren außerdem sehr groß und schwer, die Technik noch nicht ausgereift. Dennoch begann der klinische Gebrauch etwa 10 Jahre später. Aufgrund der eingesetzten Magneten gab es einige Unfälle, mit denen anscheinend niemand gerechnet hatte.

Die Bildgebung verbesserte sich nach und nach, diverse Kontrastmittel kamen auf, schließlich sogar das „offene MRT“. Auch die Dauer der Untersuchung konnte immer weiter reduziert werden (am Anfang brauchte man für ein einzelnes Bild mehrere Stunden). Es wird also immer komfortabler für den Patienten.

 

Zum Schluss noch eine kleine Erklärung, wie das überhaupt funktioniert: Der hohe Wasseranteil des menschlichen Körpers ist ein wichtiger Faktor. Durch die magnetischen Impulse werden die Atomkerne in Schwingung versetzt. Das Gewebe „strahlt“ dem Gerät quasi entgegen. Unterschiedliche Gewebearten haben verschiedene Wasseranteile – und somit stärkere oder geringere Reaktionen auf das Verfahren. Kontrastmittel wiederum sollen auf spezielle Gewebsstrukturen (zum Beispiel bestimmte) Tumore ansprechen und sie so auffälliger machen).