Ob ich wohl irre bin?

Ich habe mir etwas in den Kopf gesetzt – wieder einmal!

Heute habe ich eine Freundin von mir getroffen, sie hatte Zeichenkram für uns bestellt. Das ist ja schon echt cool. Noch besser aber ist, dass ich nun nicht nur eine Zeichenfeder habe, sondern auch Kalligraphie-Federn. Auf die bin ich besonders gespannt. Drückt mir die Daumen, dass ich mit denen gut schreiben kann!

Ich habe nämlich einen Plan, jawohl!

Erinnert ihr euch noch an Geschichte(n) eines Schreiberlings? Es ist mal wieder an der Zeit in Zofias Rolle zu schlüpfen. Allerdings anders. Neu.

Ich habe ja von der Rumänienanthologie – beim Wunderwaldverlagberichtet, zumindest kurz. Es ist ein wenig mehr Zeit, als ich erwartet hatte, also werde ich wohl zumindest ein wenig mit Federhalter planen, vielleicht sogar einen kleinen Teil damit schreiben.

Kommen wir mal zu dem (von mir erwarteten) „Pro und Contra“ des Experimentes:

Gut ist:

– Federhalter ist da

– mehrere Schreibfedern habe ich auch

– „nur ein bisschen“ ist (zumindest für den Anfang) sicherlich nicht verkehrt

– besser als nur zu spekulieren wird es sicherlich sein

– ich bin einen Schritt weiter – eh nein, weniger weit? Weiter zurück! – als mit dem Füllfederhalter – selbst mit Konverter!

– vermutlich macht es auch noch Spaß ;P

Schlecht ist:

– Ich habe keine „alte“ Tusche, sondern werde auf moderne Varianten zurückgreifen müssen. Sprich: chemischer, als das früher der Fall war.

– Das Papier war früher auch schlechter und da mein Papyrusexperiment ja leider gescheitert ist… Laut meiner Oma hatte man früher ein Papier, das noch schlechter war, als Zeitungspapier – bekomm sowas mal, heutzutage. 😉

– Für ganze Geschichten oder gar einen Roman o.ä. fehlen mir Zeit & Geduld, das weiß ich schon jetzt. 😀 Fast sicher zumindest.

– So richtig wie früher wird es wieder einmal nicht sein. Aber ein-wenig-nacherlebte Historie ist noch immer besser als bloßes Beschreiben, vermute ich.

Bin ja mal gespannt. ;P

Achja:

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Geschichtswissen für Zwischendurch: Swing-Jugend

Die Swing-Jugend war eine Gegenbewegung während der Zeit, als die Masse der NSDAP folgte. Will heißen: Das waren junge Menschen, die nicht dem Nazi-Einheitsbrei angehören wollten. Die eigene Lebensvorstellungen hatten, sich nach dem sehnten, was der Rest der Welt (vor allem das „verteufelte“ Amerika zu bieten hatten.) Und natürlich nach der Swingmusik. Logisch, sonst hätten sie ja einen anderen Namen. Anfangs hatten sie mit Politik nicht viel am Hut, als man aber gegen sie vorging, änderte sich das bei manchen.
Swing war verpönt, entartet, u.a. weil es für die Nazis „Negermusik“ war. Dass es gar nicht von Hautfarbe o.ä. abhängen musste, wer Swing spielte oder komponierte (siehe Glenn Miller), war egal. Amerika war ja ohnehin der Feind, ein weiterer Grund, warum man Swing nicht sehen und hören wollte. Obwohl es durchaus noch Örtlichkeiten gab, an denen er gespielt wurde – mit deutschen Titeln getarnt o.ä.. Das ließ die Swing-Jugend nicht auf sich sitzen. Manche hörten „Feindsender“ oder Platten, bei denen man natürlich aufpassen musste, dass die nicht in die Finger der falschen Leute kamen – manche spielten die Musik natürlich auch selbst.

Wer sich über die gewollte Musik, den gewünschten Tanz hinwegsetzte, der galt natürlich auch als „Gefahr“ oder zumindest als unerwünscht oder musste genauer beobachtet werden. In der Tat gab es einige, die ihren Frust, ihre andere Meinung, nicht nur durch Musik und Tanz ausdrückten sondern auch anderweitig gegen Hitler und co. vorgingen. Es gab sogar Kontakte zur „Weißen Rose“, einer der bekanntesten (jungen) Widerstandsgruppen.

Besonders aktiv war diese „Szene“ (so würde man es heute vermutlich nennen) in großen Städten.

Weitere Informationen zum Beispiel hier und hier

Geschichtswissen für Zwischendurch: Von Taphephobie, Glöckchen und Herzstichen

Da es ja aktuell wieder eine Scheintote gab, erinnerte ich mich an folgende historischen Dinge:

Früher, als die Medizin noch nicht so weit war, hatten viele Menschen Angst davor lebendig begraben zu werden (gut, manche haben das auch heute noch). Sowas kam ja immer mal wieder vor. Wer tot wirkte, der war eben tot – zumindest für die Anderen. Da gab es noch keine so festen Regeln wie heute, wann denn jemand für tot erklärt werden kann. Das kam auch wirklich vor – Leichen, die verdreht in Särgen lagen, Kratzspuren usw. fielen auf, wenn aus irgendeinem Grund mal ein Grab/Sarg geöffnet werden musste. Die Angst davor lebendig unter der Erde zu liegen und dort qualvoll zu sterben, brachte die Menschheit auf allerlei Ideen:

– Bereits in der Antike versuchte man vermeintlich tote irgendwie zu reizen, festzustellen, ob sie noch reagierten (was natürlich nicht immer etwas gebracht hat)

– Später hat man dann irgendwie versucht festzustellen, ob es noch Atmung gibt, die man nicht sieht. Mit Federn oder Kerzen zum Beispiel. Oder man hat gezwickt oder gepiekst – aber auch das muss nichts bringen. Bei einem Koma o.ä. reagiert dann schließlich auch niemand mehr auf solche Aktionen.

– Man hat versucht etwas am/im Grab zu montieren, mit dem sich ein Scheintoter bemerkbar machen konnte. Zum Beispiel Glöckchen im Sarg oder eine Glocke auf dem Grab mit Schnur nach unten

– Zum Teil wurden Atemröhrchen installiert, damit man im Sarg nicht ersticken musste und auch in der Hoffnung, dass so Schreie besser nach außen dringen konnten.

– Manche ließen sich quasi „nochmal töten“, verfügten das also vorher schon, damit sie auch ganz sicher tot waren, wenn sie dann unter der Erde lagen. Oder verlangten, dass man sie erst bei Anzeichen von Verwesung begrabe, o.ä.

– Später gab es dann auch offene Leichenhallen, aus denen die vermeintlichen Toten einfach hätten aufstehen und herausgehen können (und somit erst begraben werden mussten, als sie anfingen zu verwesen).

Mehr dazu zum Beispiel hier und hier.

Geschichtswissen für Zwischendurch: Glenn Miller

Glenn Miller stammte aus Iowa und lebte von 1904 bis 1944. Ob er damals wirklich starb, ist für viele fraglich – er bzw. das Flugzeug in dem er saß gilt als verschollen und wurde vermutlich von Bomben getroffen. Das war zu der Zeit ja nicht gerade eine Seltenheit. Es gibt jedoch auch Verschwörungstheorien, die etwas Anderes behaupten. Sein Orchester/ die Band saß übrigens nicht im gleichen Flugzeug, was dazu führte, dass zumindest sie weiter auftreten konnten.

Glenn Miller hat Posaune gespielt und komponiert. Er war im Radio zu hören und hat später bei der Armee ein Orchester geleitet, das zur Unterhaltung/Motivierung etc der Truppen diente. Zu seinen Stücken zählen zum Beispiel „In the Mood“, „Chattanooga Choo Choo“, „Pennsylvania 6-5000“ und „Moonlight Serenade“. Er zählt zu den bekanntesten Musikern seiner Zeit, was auch dazu führte, dass er mehrmals an der Radiosendung „Wehrmacht Hour“ teilnahm, die der BBC für Deutsche sendete, das gehört dann in den Bereich der „Feindsender“, die hierzulande nicht gehört werden durften – was letztlich dennoch viele Leute taten.

Mehr dazu zum Beispiel in der Ard-Mediathek.

Film – Der Pianist

Ich weiß nicht, warum ich ihn überhaupt geschaut habe, ich kannte ihn ja schon und wusste, was auf mich zukommt – aber gut. Es ist ein fürchterlich beklemmendes Gefühl sich in die Situation eines jüdischen Musikers hineinzuversetzen, der im Polen des zweiten Weltkrieges (über-)lebte.

Er hatte es wahrlich nicht leicht, doch es gab auch Menschen die ihm halfen – mal mehr und mal weniger gut. Dennoch zeigt es auch, was immer wieder problematisch war: Kein Mensch ist nur gut oder nur böse. Manche tun viel Gutes und dann etwas Schlechtes, bei anderen ist es wieder umgekehrt – doch das danach zu bewerten ist immer schwierig.

Das Thema mag für viele heutzutage „ausgelutscht“ sein, dabei ist es noch Zeitgeschichte. So vieles, das viel länger her ist, wurde noch viel häufiger behandelt. Ich lese und schaue jedenfalls vieles, das sich mit der NS-Zeit beschäftigt und finde es wichtig, will verstehen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Doch bisher kann ich das nicht oder nicht gut genug.

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht oder ob auch andere den Film so heftig erlebt haben – aber mich hat er nachdenklich gemacht und ziemlich mitgenommen. Vor allem das Klammern an der Gurkendose geht mir so schnell nicht aus dem Kopf…

Den Pianisten gab es übrigens wirklich. Sein Name war „Władysław Szpilman“ und er starb im Jahr 2000 im Alter von 88 Jahren. Der Film beruht auf seiner Autobiographie.

Steigende Verwirrung dank Recherche

Man sollte ja meinen, dass Recherchen helfen. Dass man auf diese Art Unklarheiten beseitigen kann – und die Verwirrung besiegt.

Ist nur leider nicht so. Zumindest nicht bei mir. Jedenfalls dieses Mal.

Je mehr ich über die Zeit, über die Umstände lese, desto unsicherer werde ich. Das, was meinem Kopf entsprungen ist, das, was meine Phantasie aus dem Wissen gemacht hat und das, was ich geschrieben habe, trägt zu dieser Verwirrung bei.

Die Geschichte als solches ist für sich recht stimmig. Einzelne Elemente davon sind historisch durchaus im Bereich des Möglichen. Was ich nicht herausfinde, ist, ob es eine solche Situation, eine solche Zusammensetzung diverser Umstände wirklich gegeben hat. Es könnte sie gegeben haben. Auch den direkten Handlungsort habe ich nicht aus dem Geschichtsbuch. Dennoch könnte es solche Räumlichkeiten gegeben haben. Aber reicht das?

Ich bin mir unsicher, weil ich nicht weiß, wie viel Freiheit man sich nehmen sollte, wenn man etwas schreibt, das in der Vergangenheit stattfindet.

Sollte man sich ein einzelnes Ereignis herauspicken und eine fiktive Figur in die Situation werfen? Sollte man sich einfach nur in die Zeit hineinversetzen, so gut das eben geht, und dann überlegen, wie sich die Menschen damals gefühlt haben? Sollte man aus den Dingen, die man weiß, aus Ereignissen, die es gab, neue Ereignisse erschaffen, die es vermutlich genau so nicht gegeben hat?

Ich überlege immer wieder, was davon in Geschichten der Fall war, die ich gelesen habe und ich glaube, dass das jeder Autor anders handhabt.

Um es mal zu sagen, wie es ist: Die Quellenlage ist doch recht bescheiden. Ich habe einiges hinzugelernt, aber nicht genau das, was ich brauche. Kleine Teile fehlen stets – manchmal lese ich gar, dass manches unklar ist – ist das nicht „schön“?

Erlaubt mir das nun die Lücken zu füllen, wie es mir beliebt? Schließlich ist jede Geschichte zu einem Teil fiktiv – ob sie nun in der „echten“ Welt spielt oder nicht.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es solche Menschen gegeben hat. Auch, dass sie auf diese Art mit dem Leben, der Situation, ihrer Zeit umgegangen sind. Und auch die Konsequenzen dessen könnten so ausgesehen haben. Ob allerdings tatsächlich jemand dieses Risiko eingegangen ist, bleibt unklar. Bisher habe ich keinen Beweis dafür gefunden.

Man kann also sagen: Es passt in den historischen Zusammenhang, auch wenn Charaktere, Gebäude und Ereignis fiktiv sind. Vermutlich reicht das. Aber der historisch denkende Teil von mir will lieber knallharte Fakten, die er geschickt einarbeiten kann. So ein Mist. Ob ich einen Kompromiss finden werde?