Geschichtswissen für Zwischendurch: Von Taphephobie, Glöckchen und Herzstichen

Da es ja aktuell wieder eine Scheintote gab, erinnerte ich mich an folgende historischen Dinge:

Früher, als die Medizin noch nicht so weit war, hatten viele Menschen Angst davor lebendig begraben zu werden (gut, manche haben das auch heute noch). Sowas kam ja immer mal wieder vor. Wer tot wirkte, der war eben tot – zumindest für die Anderen. Da gab es noch keine so festen Regeln wie heute, wann denn jemand für tot erklärt werden kann. Das kam auch wirklich vor – Leichen, die verdreht in Särgen lagen, Kratzspuren usw. fielen auf, wenn aus irgendeinem Grund mal ein Grab/Sarg geöffnet werden musste. Die Angst davor lebendig unter der Erde zu liegen und dort qualvoll zu sterben, brachte die Menschheit auf allerlei Ideen:

– Bereits in der Antike versuchte man vermeintlich tote irgendwie zu reizen, festzustellen, ob sie noch reagierten (was natürlich nicht immer etwas gebracht hat)

– Später hat man dann irgendwie versucht festzustellen, ob es noch Atmung gibt, die man nicht sieht. Mit Federn oder Kerzen zum Beispiel. Oder man hat gezwickt oder gepiekst – aber auch das muss nichts bringen. Bei einem Koma o.ä. reagiert dann schließlich auch niemand mehr auf solche Aktionen.

– Man hat versucht etwas am/im Grab zu montieren, mit dem sich ein Scheintoter bemerkbar machen konnte. Zum Beispiel Glöckchen im Sarg oder eine Glocke auf dem Grab mit Schnur nach unten

– Zum Teil wurden Atemröhrchen installiert, damit man im Sarg nicht ersticken musste und auch in der Hoffnung, dass so Schreie besser nach außen dringen konnten.

– Manche ließen sich quasi „nochmal töten“, verfügten das also vorher schon, damit sie auch ganz sicher tot waren, wenn sie dann unter der Erde lagen. Oder verlangten, dass man sie erst bei Anzeichen von Verwesung begrabe, o.ä.

– Später gab es dann auch offene Leichenhallen, aus denen die vermeintlichen Toten einfach hätten aufstehen und herausgehen können (und somit erst begraben werden mussten, als sie anfingen zu verwesen).

Mehr dazu zum Beispiel hier und hier.

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