Geschichtswissen für Zwischendurch – wehrhafte Sakralbauten vereinfacht erklärt

Ich habe mir heute auf der Fahrt Gedanken darüber gemacht, dass ich ja unbedingt etwas zu Wehrkirchen und Kirchenburgen schreiben wollte. Die Trennung ist allerdings manchmal wahrlich komplex – und macht es eben nicht leicht alles korrekt zu erklären. Mit meinem recherchewütigen Persönlichekeitsteil werde ich mir nicht vollkommen einig. Aber der schläft schon. Also kommt nun der Teil von mir, der es leichter nimmt – der andere darf später (vielleicht).

Eine Wehrkirche ist eine Kirche, die so gebaut oder umgebaut wurde, dass sie Menschen in gefährlichen Zeiten Schutz bieten konnte. Man hat mit einfachen Mitteln, wie starken Türen, Schießscharten, vielleicht einem Ausguck auf dem Glockenturm, eine Verteidugng sicherstellen wollen. Das hat manches Mal durchaus gereicht, um Angreifer davonziehen zu lassen – konnten sie doch immerhin alles außerhalb der Kirche plündern. Allerdings waren Wehrkirchen nicht auf lange Belagerungszeiten eingerichtet, sondern höchstens für ein paar Tage gedacht.

Fluchtkirchen sind Kirchen, die oft wie Wehrkirchen wirken, aber gar nicht richtig zu verteidigen waren. Schießscharten können zum Beispiel auch einfach schmale Fenster gewesen sein. Oder es gab deutliche Schwachstellen an der Kirche, die eben dafür sorgten, dass sie nicht verteidigt werden konnten. Hilfreich konnten diese Kirchen dennoch sein. Schließlich waren die Menschen „aus dem Weg“ und die Behausungen konnten ausgeraubt werden – was manchen Angreifer zufrieden gestellt haben dürfte.

Eine Kirchenburg ist größer und stabiler als die beiden vorher genannten Sakralbauten. Sie ist außerdem von einer starken Mauer umgeben. Es gibt sogenannte „Gaden“, das sind kleine Hütten, die aus einem einzigen Raum bestehen und vor allem als Schlafmöglichkeit gedient haben dürften. Wie viele es davon gab ist auch je nach Kirchenburg unterschiedlich – mit Sicherheit nicht immer genügend. In Kirchenburgen gab es Lagerräume, in denen man auch außerhalb kriegerischer Zeiten etwas verwahren ließ – war natürlich von Vorteil, wenn Feinde herbeistürmten und die Lebensmittel schon in der Burg waren. Kirchenburgen hatten nicht nur Schießscharten und hohe, offene Türme, sondern häufig auch Zinnen, die ja bekanntlich auch bei der Verteidigung helfen. Sie waren darauf ausgelegt größere Sicherheit zu bieten als zum Beispiel eine Wehrkirche und haben sicherlich auch mehr Menschen Schutz geboten – und das auch für längere Zeit, als bei den anderen Versionen.

Ein Wehrfriedhof mutet besonders makaber an, vor allem, wenn man bedenkt, dass dort auf einem Friedhof gewohnt, gekocht, gegessen, geschlafen – und sonst was wurde. Dass es solche Friedhöfe gab ist aber durchaus verständlich, waren sie doch ohnehin von Mauern umgeben. Man hat sie gegebenenfalls noch etwas erhöht, hat sich Hütten/Gaden gebaut und hat sein Leben dort weitergelebt – umgeben vom Tod.

Ich komme jedenfalls zu folgendem Fazit:

Alle Vier waren sinnvoll und werden manches Leben gerettet haben. Die Fluchtkirche wird allerdings nur ein geringes Sicherheitsgefühl geboten haben. Wehrkirchen können sicherlich einiges abhalten, vor allem, wenn sie zusätzlich auf einem Berg stehen und dadurch schon schwieriger zu erreichen sind. Gleiches gilt für Kirchenburgen, nur dass die Gaden das Leben dort ein wenig komfortabler gestaltet haben. Der Wehrfriedhof mag makaber wirken, war aber für manche Gegend sicher eine Notwendigkeit – und man sieht wieder einmal, wie eng Leben und Tod beieinander stehen.

Man merke:

Jede Kirchenburg ist eine Wehrkirche – aber nicht jede Wehrkirche schafft es eine Kirchenburg zu sein!

Und alle, bis auf den Friedhof, so er nicht direkt an eine Kirche angebunden ist, sind Kirchen, in die man sich flüchten kann – nicht nur die Fluchtkirche.

Ist ja eigentlich ganz simpel – oder?

(Ich bitte zu bedenken, dass das nun nicht alles überkorrekt zu sehen ist, vor allem bezogen aus meine Merksätze 😉 )

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